Mit ungefähr 1,60€ für Benzin und knapp 20% für die Grünen in den hessischen Landtagswahlen, ist es an der Zeit, sich ernsthaft Gedanken über ein Leben ohne Auto zu machen. Das Problem daran: Ich liebe Autos. Ich liebe Motoren, ich liebe das Fahren an sich. Und jetzt will ich mal erörtern, was passieren muss – von der politischen Seite – damit ich bereit wäre, mein Auto zu verkaufen oder sogar zu verschrotten.

Wenn man kein Auto hat, braucht man natürlich die Fortbewegung per öffentlichem Verkehrsmittel, oder per Fahrrad.

Ich fange mal bei den kürzesten Wegen an – da, wo man das Fahrrad nimmt. Ich besitze momentan kein Fahrrad. Und wieso? Weil mir bis jetzt drei Fahrräder geklaut wurden – eins davon sogar aus dem abgeschlossenen Keller. Hier würde ich erwarten, dass es ein günstiges Leasingangebot für Fahrräder gibt. Ich würde liebend gerne 20€ im Monat bezahlen, damit ich ein voll versichertes neues Fahrrad da stehen habe, wo ich mir keine Sorgen machen muss, wenn es mal geklaut werden sollte, oder wenn ich einen Platten habe. Damit wäre es auch zu realisieren, dass ich wieder mehr Fahrrad fahre. Ich fahre zwar gerne Fahrrad, aber sehe es nicht ein, mir wieder eines zu kaufen, damit das dann im nächsten Atemzug wieder geklaut wird.

Wenn es sowas gäbe, würde ich auch wieder häufiger mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich habe gerade tatsächlich einmal nachgeschaut: Ja, es gibt sowas, mit Kosten von ca. 25€ im Monat. So selten wie ich tatsächlich vor Ort sein muss, lohnt sich das für mich allerdings nicht, so lange ich noch mit dem Auto fahren kann. Ich werde dennoch mit meinem Arbeitgeber sprechen, ob wir soetwas realisieren können. Weil: Ich möchte gerne wieder Fahrrad fahren.

Dann gehen wir mal einen Schritt weiter: Fahrten von Stadt zu Stadt. Es gibt zu wenige Bus- und Bahnverbindungen, und zu wenige Direktverbindungen. Um hier auf ein Auto verzichten zu können, erwarte ich enge Taktungen. Bei kurzen Strecken, zum Beispiel ein Direktbus von Hanau nach Frankfurt, dürfen höchstens 20 Minuten zwischen den Fahrten liegen. Bei Zügen ähnlich: Die Direktverbindungen fehlen! Will ich von Hanau nach Darmstadt, muss ich mit dem Zug zwischendurch umsteigen und habe meistens Umsteige-Wartezeiten von 20-25 Minuten. Das geht so nicht. Es gibt zwar eine Hanau-Darmstadt-Direktverbindung, allerdings fährt diese sehr unregelmäßig und darüber hinaus fährt man immer noch über eine Stunde, da dieser Zug extrem viele Zwischenhalte hat. Es müssen enge Taktungen mit kurzen Fahrtzeiten her. Sonst tut es mir leid – da nehme ich schnell das Auto.

Das nächste Problem ist, dass man sich auf die Bahnen nicht verlassen kann. Sie fallen aus, kommen zu spät, du bekommst deine Anschlüsse nicht. Mein Auto startet nicht zu spät, ist nie überfüllt und da ist keine Klimaanlage oder Heizung kaputt.

Das Überfüllungsproblem ist das nächste. Schon einmal morgens früh in Darmstadt mit dem Bus vom Bahnhof in die Stadtmitte gefahren? Noch nie? Lass es bleiben. Du musst… kontaktfreudig sein. Bei einem Unfall jedenfalls fielst du nicht um. Das würde ebenfalls zur Lösung des nächsten Problems führen: Mehr Busse und mehr Bahnen mit engerer Taktung und kurzen Fahrtzeiten = Die Busse und Bahnen sind weniger überfüllt, und wenn doch mal eine zu voll ist: Ich warte eben die nächste ab, dauert ja nur 5 Minuten bis sie da ist!

Nun noch zu einem der wichtigsten Punkte: Komfort. Ab einer Fahrt von 10 Minuten oder länger ERWARTE ich einen garantierten Sitzplatz, wenn ich auf mein Auto verzichten soll. Wenn mir das nicht geboten werden kann, sehei ch es ehrlich gesagt auch nicht ein, auf den individuellen Personenkraftverkehr zu verzichten.

So, sagen wir mal in einer perfekten Welt läuft das so – und wie sollen die Kosten aussehen? Natürlich kann das nicht kostenlos sein, weil die Bahn zu Geldgeil ist und der Rest politisch schwer umzusetzen ist. Es werden Busfahrer gebraucht, Zugführer, und die Anschaffung und Wartung der Fahrzeuge verschlingt auch einiges an Geld. Ein fairer Preis wären 30€ pro Monat für normale Berufstätige, flat – alles drin, überall hin, keine Zusatzkosten. Für Studenten natürlich Kostenlos mit Einschränkungen (keine Sitzplatzgarantie, etc.) aber für 5€-10€ im Monat als Zuzahlung mit sämtlichen Komfortfeatures und Sitzplatzgarantie.

Wenn das jetzt alles so umgsetzt wird… wäre ich dann bereit, mein Auto zu verkaufen? Wenn ich immer und überall hin kann wo ich will, mit ähnlichen bzw. Nur minimal längeren Fahrtzeiten wie ich sie mit dem Auto brauchen würde, und zusätzlich noch der Garantie, einen annähernd gleichen Komfort zu genießen? Nun, da liegt es eigentlich auf der Hand: Ich kann beispielsweise unterwegs mit dem Laptop arbeiten – im Auto geht das nicht. Darüber nachdenken würde ich definitiv.

Und dann steht der Urlaub vor der Tür. Es geht aufs Land. Ups. Da ist es garantiert nicht so ausgebaut wie in den Städten… oder ich will Möbel einkaufen und heim transportieren… Hoppala! Mit den öffentlichen geht das aber so nicht. Wie löst man das? Auch da habe ich eine Idee. Der Staat subventioniert Mietwagenfirmen. Für Führerscheinbesitzer ohne eigenes Auto oder Studenten mit ÖPNV-Karte: Extrem günstige Mietwagenangebote. Für 100€ zzgl. Kraftstoff in der Woche einen Kleinwagen mit unbegrenzt Freikilometern für den Urlaub. Für 5,99€ zzgl. Kraftstoff einen Tag lang Sprinter fahren – Freikilometer unbegrenzt. Günstiger als Versicherung, Steuern, Wartung und Anschaffung eines eigenen Wagens, sinnvoll wenn man lange Strecken individuell zurücklegen will oder gerne auf dem Land Urlaub machen möchte.


1 Kommentar

Andreas · November 3, 2018 um 9:31 am

Jeder meckert über die Autos – ja, es gibt Fahrzeuge die eigentlich schon längst aus dem Verkehr gezogen gehören, daran ändert auch ein H-Kennzeichen nichts.
Gibt aber auch zu denken das ein 20! Jahre altes Auto die gleichen Verbrauchswerte hat wie ein neues. Ich brauche im Schnitt mit meinem Wagen um die 6,5 l und das mit einer Leistung die über der vom Werk angegebenen liegt. Jeder ist selbst veranwortlich dafür wie er mit dem Gaspedal umgeht, man muss auch nicht zum Schleicher werden.
Wenn der ÖNV das halten würde was sie in der Werbung versprechen wäre es kein Problem das Auto auch mal stehen zu lassen. Wer kommt schon gerne mit Verspätung und in, zum Teil erheblich verdreckten, Verkehrsmitteln an, da wundert es doch keinen das man da lieber mit dem eigenen Auto unterwegs ist. Wie soll man von A nach B kommen , wenn die Öffentlichen nur alle 30min – 45min fahren? Entweder ist man 2 Stunden zu früh bei einem Termin oder kommt, trotz das man zeitig los ist, eine halbe Stunde zu spät. Was nutzt es wenn die Öffentlichen alle 15min fahren, aber nicht dahin wo man hin muss?!
Sicher, in der Stadt gibt es alternativ die Möglichkeit mit dem Fahrrad zu fahren, so die nicht andauernd geklaut werden….. was macht man im Urlaub? Klar geht auch mit dem Fahrrad, nur weitere Strecken und oder etwas transportieren? Mit dem Fahrrad oder Kickboard wohl ein Wunschtraum.

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